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Noch eine Rezension…

März 14, 2011

Eine Frage der Lebensart…

Wie eine Liebe durch Anstand und Höflichkeit im Sand verläuft…“Eine Frage der Höflichkeit“ von Amor Towles.

Der Besuch einer Vernissage 1966 – eigentlich ein ganz normaler Zeitvertreib für eine Frau und deren Mann in gehobenen Kreisen – wird für Kate zum Katapult in die Vergangenheit. Auf zwei der Photographien erkennt sie einen Bekannten, der einst mehr war, als nur bekannt. Mit unterschwelliger Wehmut und einer angemessenen Prise Humor, wie es sich für eine Frau gehört, die mit sich und ihrer Vergangenheit im Reinen ist, erinnert sie sich an längst vergangene Jahre, in denen sie das anonyme Gesicht der Photographie kennenlernte.

Als junge Frauen gab es für Katey und ihre Freundin Eve ein anstrebsames Ziel: Hoch hinaus, in bessere Gesellschaft, mit Vollgas und mit Hilfe eines wohlerzogenen, wohlhabenden Mannes, der ihrer würdig war. Am Silvesterabend des Jahres 1937 starten beide einen erneuten Versuch, in der New Yorker Nachtwelt nach eben diesem Mann Ausschau zu halten. Und wie der Zufall es will, lernen sie den charmanten Tinker Grey kennen, den Mann auf den Photos der Ausstellung.
Beide Damen sind augenblicklich angetan und Eve buhlt wie so oft auf aufdringliche und doch charmante Art und Weise um Tinkers Aufmerksamkeit. Nur bemerkt sie nicht, dass Tinker mit seiner zurückhaltenden Art auch ein adäquates Gegenstück sucht. Doch bevor sich im Laufe der Tage klären kann, wer tatsächlich für wen ernsthaftes Interesse hegt, werden die drei in einen Autounfall verwickelt, der für Eve tragischer ausgeht, als für Katey und Tinker. Da Tinker der Fahrer des Unfallwagens war, nimmt er Eve aus Anstand und Schuld bei sich auf, was Kate von der PolePosition auf den letzten Platz verweist. Zumindest, was Tinker angeht. Denn für beide Damen wird die Freundschaft zu Tinker ein Sprungbrett in die Welt der Reichen und Schönen und bildet die Startlinie für das Ziel, an dem sie mittlerweile angekommen sind. Wie dieses Ziel aussieht, werde ich an dieser Stelle aber nicht verraten.

„Eine Frage der Höflichkeit“ ist ein philosophisch getünchtes Biscuit, luftig erzählt, aber schwer verdaulich. Denn es werden Fragen aufgeworfen, die wir oft verdrängen, sei es aus Vernunft, aus Angst oder aus Bequemlichkeit. Wo gehe ich hin? Habe ich den richtigen Abzweig an der Gabelung genommen? Oder entferne ich mich weiter von meinem eigentlichen Ziel als mir lieb ist? Ist mein Ziel überhaupt richtig gewählt? Ohne je richtig ausgesprochen zu werden sind dies meiner Meinung nach die Grundfragen, die dieses Buch auf besonders subtile Art aufwirft, vielleicht mit ein bisschen Ermutigung, aber auch mit gediegener Vorsicht. Und mit Ehrfurcht vor der Liebe, sei es eine verlorene, eine platonische oder die gelebte Liebe.

Absolut empfehlenswert und ein Muss für Freunde der Swinging 30s. Einziges Manko sind die gehäuften Rechtschreibfehler, ein Phänomen, dass sich in letzter Zeit bei vielen Verlagen zeigt. Allerdings kein Grund zur Sorge: Laut Verlag wurden diese in der zweiten Auflage bereits korrigiert.

„Eine Frage der Höflichkeit“ von Amor Towles ist beim Graf Verlag erschienen (Ullstein), hat 416 Seiten und hier könnt ihr es kaufen:

http://www.amazon.de/Eine-Frage-Höflichkeit-Amor-Towles/dp/3862200108/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1300127115&sr=1-1-spell

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