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Neue Zeit – neue Rezension

Oktober 20, 2015

Was ich vermissen würde...

„In der Lobby sammelten sich die Leute an der Bar und stießen an. „Auf Arthur“, sagten sie. Sie tranken noch eine Weile, dann gingen sie alle ihrer Wege, hinaus in den Sturm. Von allen Personen, die in dieser Nacht in der Bar gewesen waren, war der Barkeeper derjenige, der noch am längsten Leben sollte. Er starb drei Wochen später auf der Straße, über die er die Stadt verlassen wollte.“

Auf der Welt bricht eine rasante und extrem tödliche Grippeepidemie aus, die in kürzester Zeit einen Großteil der Menschheit auslöscht. Unsere Erde befindet sich im Ausnahmezustand und nur wenige kommen mit dem Leben davon. 20 Jahre nach der Epidemie hat sich das Weltbild massiv gewandelt, die Überlebenden existieren fernab von unserer heutigen technischen und medizinischen Evolution, es ist, als hätte man die Zeit um mehr als 100 Jahre zurückgedreht.

„Das Licht der letzten Tage“ von Emily St. John Mandel ist ein „Endzeitroman“ der besonderen Art, denn er handelt nicht nur davon, was danach geschieht, sondern er wirft auch einen kritischen Blick in die Zeit davor. Doch nicht nur das macht diesen Roman zu einer einzigartigen Geschichte, sondern auch der besonders feine Schreibstil und der Verzicht auf übermäßig brutale Szenen, wie wir sie aus vielen Dystopien nur zu gut kennen. Diese Mischung gibt dem „Endzeitszenario“ eine feine melancholische Nuance, die Charaktere sind sehr detailliert ausgearbeitet und halten uns mitunter den Spiegel vor das Gesicht. Aber nicht, weil sie uns vorwerfen, wie wir ökologisch gesehen unsere Erde in die Zerstörung treiben, wie man es auch in vielen solcher Geschichten findet, sondern weil sie uns zeigen, dass wir mitunter vieles für viel zu selbstverständlich nehmen und ähnlich einem „Schlafwandler“ durch unser Leben gehen.

Für alle, die genug von „Special effects“ und Horrorendzeitszenarien haben und statt dessen einen Roman über das Leben und die Menschen unter verschiedenen Bedingungen lesen wollen, ist dieses Buch genau richtig.

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